Architekturbeleuchtung: Nachhaltigkeit für die Wirtschaft, die Kommunen und die Menschen in den Städten

Toon Reynders - Schréder Group Product Manager – Urban Deco
Toon Reynders
Schréder Group Product Manager – Urban Deco

Auf unserer Erde herrscht während der Hälfte des Jahres Dunkelheit. Doch seit der Erfindung des elektrischen Lichts hat sich das Leben grundlegend verändert. Früher verbrachte man die Nachtstunden um das Feuer versammelt oder unter die Decke gekuschelt. Heute kann man nachts ausgehen, spannende Dinge erleben und soziale Kontakte pflegen. Ein Großteil des modernen Lebens findet nach Einbruch der Dunkelheit statt, doch durch die Energiekrise, die durch die Invasion Russlands in der Ukraine ausgelöst wurde und die ganze Welt in Mitleidenschaft zieht, findet in vielen Städten und Kommunen bei der Beleuchtung von Denkmälern, Gebäuden und Fontänen ein Umdenken statt, um die Energiekosten in diesem Winter im Zaum zu halten. 

Das mag ja in der Theorie alles ganz gut klingen, doch die Beleuchtung von Denkmälern, Türmen und Fassaden ganz abzuschalten, spart vielleicht kurzfristig Geld, kann sich langfristig aber als Fehler erweisen. Seit Beginn der Pandemie haben die Menschen ihre Gewohnheiten verändert. Viele Menschen arbeiten im Homeoffice und gehen in den Abendstunden gerne aus – doch nur dann, wenn sie sich sicher fühlen. Die Architekturbeleuchtung verleiht einer Stadt nach Einbruch der Dunkelheit Lebendigkeit – sie sorgt für eine angenehme, einladende visuelle Wahrnehmung. Wird die richtige Beleuchtung gewählt, kann bei vielen Objekten schon mit sehr geringem Energieaufwand ein Maximum an Wohlbefinden im öffentlichen Raum geschaffen werden.
 

LEDs weisen den Weg

Zunächst einmal müssen die Verantwortlichen der Stadtverwaltung beschließen, welche Leuchten man bedenkenlos ausschalten kann. Mit einer LED-Beleuchtung lässt sich der Stromverbrauch im Vergleich zu herkömmlichen Lichtquellen drastisch senken. Sie zeichnet sich durch eine längere Lebensdauer aus (was wiederum die Wartungskosten senkt) und ermöglicht eine zielgerichtetere Beleuchtung. Unsere LED-Lösungen für die Architekturbeleuchtung rücken die Details ins rechte Licht, im Gegensatz zu Flutern mit Hochdruckentladungslampen, bei denen die Nuancen verloren gehen, da sie die Fassaden quasi zur Gänze mit Licht überfluten.

Vor rund zehn Jahren haben wir die Beleuchtung für den berühmten Grote Markt in Brüssel bereitgestellt, ein Juwel mittelalterlicher Baukunst, das Jahr für Jahr Tausende von Tourist*innen aus aller Welt in die Stadt lockt. Für die Beleuchtung des gesamten Platzes mit seinen 27 Gebäuden wird heute dieselbe Menge an Energie verbraucht, die früher allein für die Beleuchtung von zwei Gebäuden erforderlich war. Das entspricht einer Energieeinsparung von rund 80 Prozent. Die Beleuchtungsanlage funktioniert nun schon seit zehn Jahren reibungslos und spart der Stadt Strom und Geld. Unsere heutigen Projekte bieten eine noch höhere Energieeffizienz.

Grand Place in Brussels is illuminated to the delight of visitors with 80% energy savings

Bevor man die Beleuchtung ganz abschaltet, sollte man also eher erwägen, sie zu modernisieren. Die Straßencafés auf dem Grote Markt sind das ganze Jahr über gut besucht, und zwar bei jedem Wetter. Würde man die Lichter abschalten, so wäre das außer in den Sommermonaten kaum möglich. Erst durch beleuchtete Gebäude und Denkmäler werden Plätze zu attraktiven Orten, an denen sich die Menschen gerne aufhalten und amüsieren – das ist für die psychische Gesundheit und die Wirtschaft in der Stadt von großer Bedeutung. 
 

Festliche Stimmung

Die Einkaufsstraßen in der Innenstadt haben mit den geänderten Kaufgewohnheiten der Kundschaft und dem zunehmenden Online-Handel zu kämpfen. Deshalb ist eine Belebung der Stadtzentren unerlässlich, um die Kundinnen und Kunden in die Stadt zu locken. Eine zeitweilige Festbeleuchtung kann die Besucherfrequenz erhöhen, wodurch sich die Umsätze und die Mieterlöse steigern lassen. Das Lichterfest im französischen Lyon ist ein Touristenmagnet ersten Ranges und ein wichtiges Fest für die Stadtbewohner*innen. Der Energieeffizienzplan der Stadt, so die Organisatoren des Festes, wird durch das Lichterfest nicht beeinträchtigt: Nach zwei Jahren Gesundheitskrise möchte man seitens der Stadtverwaltung dieses für die Gemeinschaft so wichtige Ereignis, für das Lyon im In- und Ausland berühmt ist, unbedingt gebührend feiern.

Lyon Light Festival attracts millions of visitors each year, showing the power of illuminating a city

Das Lichterfest im nordenglischen Durham lockt Jahr für Jahr mehr als 150.000 Besucher*innen in die Stadt. Nach Angaben des Bezirksrats spülte das Fest im Jahr 2019 der Region insgesamt mehr als 11,5 Millionen Pfund Sterling in die Kassen. Dies entspricht einer Investitionsrendite von mehr als 1.925 Prozent für den Bezirksrat. Temporäre Lichtinstallationen sind für die Einkaufssaison in der Vorweihnachtszeit besonders wichtig. Veranstaltungen wie die Winterlichter im belgischen Brügge, der Weihnachtsmarkt im estnischen Tallinn oder der Advent im kroatischen Opatija bescheren den Städten festlichen Glanz – und zahlungskräftige Besucher*innen.

Eine durchdachte Beleuchtung zahlt sich das ganze Jahr über aus. Die Beleuchtung historischer Gebäude, Wahrzeichen und Denkmäler zieht die Menschen in die Innenstädte. Neue Ausflugsziele oder eine Instagram-würdige Fotokulisse – der Wow-Effekt sorgt dafür, dass die Geschäfte im Stadtzentrum nicht nur überleben, sondern regelrecht florieren. Die Architekturbeleuchtung von Gebäuden und Denkmälern schafft darüber hinaus auch ein starkes Gefühl der Zugehörigkeit und erfüllt die Bewohner*innen der Stadt mit Stolz. 
 

Moderne Akzentuierung der Wahrzeichen aus der Renaissance

Das hübsche portugiesische Städtchen Caminha ist schon seit Jahrzehnten ein Geheimtipp für Tourist*innen aus aller Welt. Die Verantwortlichen der Stadt erstellten 2014 gemeinsam mit dem portugiesischen Ingenieurverband der Region Nord (OERN) einen Masterplan für die öffentliche Beleuchtung, da die Modernisierung der Stadtbeleuchtung anstand. Der Umstieg auf moderne LED-Technologie, der auch in der historischen Altstadt vollzogen wurde, war ein enormer Erfolg – sowohl hinsichtlich der Beleuchtungsqualität als auch hinsichtlich des Energieverbrauchs, der insgesamt um rund 70 Prozent gesenkt werden konnte.

Caminha has illuminated all its landmarks with LED lighting, reducing its energy consumption by 70%

Bei jedem der zwischen dem 15. und dem 17. Jahrhundert entstandenen Wahrzeichen der Stadt sollte die Beleuchtung die Geschichte hervorheben, die architektonischen Details betonen und zugleich für ein ausgewogenes nächtliches Stadtbild sorgen. Die Pfarrkirche, der Uhrturm, das alte Rathaus, die Misericórdia-Kirche, der Terreiro-Brunnen und die Casa dos Pitas werden von verschiedenen energieeffizienten LED-Flutern erhellt, die nach Einbruch der Dunkelheit eine wunderschöne Kulisse für das städtische Leben schaffen. Caminha bietet mit seinen üppigen Farben ein bezauberndes nächtliches Ambiente und entwickelt sich von einem Geheimtipp zur Top-Destination.
 

Unser Fazit lautet daher: Nicht abschalten, sondern intelligent umschalten

Es mag paradox klingen, doch es gibt für Investitionen in die Beleuchtung keinen besseren Zeitpunkt als die Energiekrise. Moderne Lösungen bieten neben dem enormen Energieeinsparpotenzial von LEDs unter anderem die Möglichkeit, die Leuchten bedarfsgerecht zu dimmen und die Einschaltzeiten zu ändern. Statt die Bevölkerung, Geschäfte und Besucher*innen in diesem Winter im Dunkeln zu lassen, sollten Sie eine Modernisierung der Beleuchtung in Erwägung ziehen, um ein energieeffizientes Stadtzentrum zu schaffen, das die Stadt in vollem Glanz erstrahlen lässt. 
 

Über den Autor
Toon ist Elektronikingenieur und begeisterte sich schon immer für Beleuchtung und Technologie. Er ergriff nach dem Studium die Gelegenheit, in der Branche anzufangen und bringt nun seine zehnjährige Erfahrung im Bereich Verkauf und Marketing mit, um Beleuchtungslösungen für Schréder-Kunden in aller Welt zu entwickeln. 

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