Unterirdische Mobilität: Weshalb eine hervorragende Tunnelbeleuchtung so wichtig ist

Koen Van Winkel - Business Segment Manager - Schréder
Koen Van Winkel
Deputy Director, Marketing & Tunnel Business Segment Manager

Eine Fahrt durch den Mont-Blanc-Tunnels dauert rund 17 Minuten. Den Tunnel unter dem Ärmelkanal passiert man per Bahn in 20 Minuten, die verschiedenen Tunnel des Brüsseler Autobahnrings in nur wenigen Augenblicken. Für eine sichere, nachhaltige und für die Fahrer*innen angenehme Beleuchtung der Tunnel braucht es allerdings jahrzehntelange Erfahrung. Das Team von Schréder war vom eisigen Norden bis zum tropischen Regenwald, vom Mittelmeerraum bis nach New York City an unterschiedlichsten Tunnelprojekten beteiligt.

Im Laufe der Jahre waren wir Zeuge enormer Veränderungen im Fahrzeugbau und in der Straßenbauplanung. Die LED-Revolution hat Einzug gehalten, und die Prioritäten der Kund*innen haben sich weiterentwickelt, insbesondere was die Energieeffizienz betrifft. Mit der Einführung intelligenter Steuerungssysteme setzen erneut grundlegende Veränderungen ein. Die LED-Beleuchtung ist jetzt für alle Bereiche in Straßentunneln geeignet, auch für die Ein- und Ausfahrten. So können im gesamten Tunnelbereich intelligente Systeme eingesetzt werden, die spürbare Vorteile in puncto Energieverbrauch, Notfallsysteme und Fahrkomfort bieten.

Bei uns steht die Kundschaft immer im Mittelpunkt. Rund 80 Prozent der von uns angebotenen Lösungen umfassen mittlerweile Beleuchtungsanlagen mit integrierten Steuerungssystemen. Ein vor Kurzem abgeschlossenes Projekt, auf das wir besonders stolz sind, ist NorthConnex, ein vierspuriger, aus zwei Röhren bestehender Tunnel in Sydney mit einer Länge von neun Kilometern. NorthConnex ist einer der längsten Tunnel in Australien. Dank ihm können auf der Hauptverkehrsader Pennant Hills Road 21 Ampeln umgangen werden, was eine Zeitersparnis von rund 15 Minuten ergibt.

Schréders intelligente Beleuchtungslösung für den NorthConnex-Tunnel sorgt für Sicherheit bei geringem CO2-Ausstoß

Die künstlerisch gestalteten Tunnelwände, wechselnde Bildanzeigen sowie spezielle Beleuchtungsfunktionen sorgen dafür, dass die Verkehrsteilnehmer*innen während der Fahrt aufmerksam bleiben. Die Installationen gehen auf eine Forschungskooperation von Transurban, Transport for NSW (einer Verkehrsbehörde des australischen Bundesstaats New South Wales), der University of New South Wales und dem Spitzenverband AustRoads zurück. Realisiert wurde das Projekt von Schréder, von dessen australischem Vertreiber Betacom und von Phoenix Contact. 

Ganz im Einklang mit der Leitidee dieser Kooperation installierten wir etwas mehr als 1.100 Leuchten des Typs OMNISTAR sowie 5.000 Leuchten des Typs GL2 COMPACT. Die Leuchten werden über das ATS-System gesteuert. Sie liefern helles weißes Licht, das eine hohe Gleichmäßigkeit auf der Straße und optimale Sicht bietet. Diese Lösung gewährleistet Komfort, Sicherheit und eine optimale visuelle Führung. Die Installation erfolgte schnell und reibungslos: Die Anlage war sogar früher als geplant betriebsbereit. Dies war unter anderem den Plug-and-Play-Leuchten und den Kabeln mit Schnellverbindern zu verdanken.
 

Investitionen in Know-how

Die Beleuchtung von Tunneln ist eine viel anspruchsvollere Aufgabe als die Beleuchtung von Straßenzügen. Man muss wissen, wie das Licht im Zusammenspiel mit dem Straßenbelag und den Wänden (gefliest oder ungefliest) wirkt und ob es eine gleichmäßige Ausleuchtung bietet. Man muss Reflexionen berechnen und erreichen, dass die Ein- und Ausfahrten auf einfache und sichere Weise genutzt werden können. Unser wichtigstes Alleinstellungsmerkmal ist dabei unsere lange und umfangreiche Erfahrung. Ohne jetzt angeben zu wollen, aber vor Kurzem wurde mir das größte Kompliment gemacht, das man sich in unserer Branche vorstellen kann. Ich wurde gefragt:
 

Wie schaffen Sie es, dass Ihre Beleuchtungskurve so nahe an der Norm der Internationalen Beleuchtungskommission liegt?


Die Internationale Beleuchtungskommission (CIE) stellt weltweit gültige Beleuchtungsnormen auf. Erwähnenswert ist auch, dass Kolleg*innen von Schréder in einer Reihe von Ausschüssen tätig sind, auch solchen, die sich mit der Tunnel- und Straßenbeleuchtung befassen. Dies ist ein Zeichen für unsere Fachkompetenz in diesem Bereich.

Die Antwort auf die Frage lautet: durch harte Arbeit. Wir haben im Laufe der Jahre so viele Projekte fertiggestellt, dass wir genau wissen, was nötig ist, um gleich auf Anhieb ein gutes Ergebnis zu liefern. Neben der von der CIE empfohlenen Kurve gibt es viele länderspezifische Normen für die Tunnelbeleuchtung. Unsere Technik- und Tunnelexpert*innen verfügen über fundierte Kenntnisse über die in den verschiedenen Ländern und Regionen geltenden Vorschriften. Ob es um die Tunnelbeleuchtungsnorm IES RP-22-11 in Nordamerika oder um die deutschen Vorschriften zu Edelstahlgehäusen für Leuchten geht - wir arbeiten mit den Auftraggeber*innen, beauftragten Bauunternehmen und anderen Projektbeteiligten zusammen, um sicherzustellen, dass optimale Ergebnisse erzielt werden.

Dank unserem Know-how finden wir auch Lösungen für außergewöhnliche Wünsche. Der Maastunnel in Rotterdam ist ein einzigartiges Beispiel niederländischer Baukunst: der erste mit der Absenkmethode errichtete Tunnel des Landes. Er wurde 1942 eröffnet, 2012 zum Nationaldenkmal erklärt, im Rahmen von Ausstellungen gefeiert und weltweit kopiert: Dies ist beileibe kein gewöhnlicher Tunnel. Vor Kurzem musste er einer umfassenden Sanierung unterzogen werden. Die Stadtverwaltung wollte gerne den gelben Farbton der ursprünglichen Natriumdampflampen beibehalten, aus Energiekostengründen aber auf LEDs umsteigen.

Schréder beleuchtet den Maastunnel, um einen sicheren Tunnel für Autofahrer zu gewährleisten und gleichzeitig das kulturelle Erbe des Tunnels zu bewahren

2018 entwickelten wir das Steuerungssystem ATS/Lumgate. Es ermöglicht das Umschalten zwischen dem von den Natriumdampflampen gewohnten klassischen gelben Farbton im Normalbetrieb und hellem weißem Licht, das dann verwendet wird, wenn Rettungsdienste in den Tunnel einfahren müssen. Dadurch wird auf gekonnte Weise das historische Erbe des Tunnels gewahrt. Gleichzeitig werden aber aktuelle Sicherheitsstandards eingehalten.


Alles wieder unter Kontrolle

Der „Schwarzes-Loch-Effekt“ bezeichnet in der Tunneltechnik den plötzlichen Wechsel von hellem Licht zu relativer Dunkelheit bei der Einfahrt in einen Tunnel. Aber auch Daten zum Tunnelmanagement liegen oft im Dunkeln. Das Advanced Tunnel System 4 (ATS 4), unser leistungsfähiges Fernsteuerungssystem, setzt dem ein Ende. Die Lösung wurde gemeinsam mit Phoenix Contact entwickelt. Sie ermöglicht präzise Dimm- und Schaltvorgänge, verlässliche Datenberichte sowie eine zuverlässige Überwachung und Inbetriebnahme des Systems, wodurch beim Betrieb der Tunnelbeleuchtung nichts mehr im Verborgenen bleibt.

Für die Region Brüssel-Hauptstadt war dieses System die optimale Lösung, als der kürzlich umbenannte Annie-Cordy-Tunnel umfassend saniert werden sollte. Mit einer Länge von 2,6 km handelt es sich um den längsten Straßentunnel in Belgien und eine wichtige Verkehrsader, die täglich von 80.000 Fahrzeugen genutzt wird. Die Arbeiten umfassten bauliche Reparaturen, die Wiederherstellung der Fahrbahn, den Bau technischer Räume, Abdichtungen, Belüftungssysteme und Asbestsanierungsarbeiten sowie den kompletten Austausch der Beleuchtungsanlage.

Intelligente, nachhaltige Beleuchtung verbessert die Sicherheit und senkt die Betriebskosten des Annie-Cordy-Tunnels in Brüssel

Für die neue Beleuchtungslösung gab es klare Zielvorgaben: Optimierung des Energieverbrauchs durch LED-Beleuchtung und ein Steuerungssystem, Senkung der Wartungskosten um 50 Prozent und eine Verbesserung von Komfort und Sicherheit. ATS war die ideale Lösung, um all diese Ziele zu erreichen: Je nach Tages- oder Nachtzeit, Verkehrsdichte und Helligkeit des Tageslichts passt das zentrale Tunnelmanagementsystem der Region Brüssel-Hauptstadt die Werte der Beleuchtung verzögerungsfrei an. Darüber hinaus richtete der Kunde variable Dimmszenarien für die Nacht ein, um noch mehr Energie einzusparen.

Wenn man mich fragt, welcher Tunnel mir der liebste ist, ist das so, als würde man jemanden nach seinem Lieblingskind fragen. Das kann man doch unmöglich sagen! Bei jedem Projekt gibt es ganz eigene Herausforderungen, andere Arbeitsbedingungen und neue Spezifikationen. Die bei Steuerungssystemen erreichten Innovationen sorgen erneut für einen radikalen Wandel bei der Tunnelbeleuchtung. Ich bin schon sehr gespannt darauf, was als nächstes kommt.
 

Über den Autor
Koen Van Winkel ist seit 2008 für Schréder tätig. Er verfügt über umfassende Erfahrung bei der Entwicklung und Vermarktung von Steuerungssystemen, die in der Beleuchtungsindustrie immer mehr an Bedeutung gewinnen. Er war an der Entwicklung unserer intelligenten Beleuchtungslösungen für Straßen und Tunnel maßgeblich beteiligt und lieferte dabei pragmatische Tipps. Mit seiner Erfahrung und seinem Wissen übernahm er die Leitung des Bereichs Group Sales Support. In dieser Funktion betreute er eine Vielzahl von Kund*innen bei ihren Projekten. Heute bringt er sein wertvolles Know-how auch im Bereich der Tunnelbeleuchtung ein, erweitert unser Serviceangebot und realisiert Projekte in aller Welt.

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