Mehr Sicherheit bei Nacht, zufriedenere Bewohner*innen: Deshalb sollten Städte in diesem Winter die Beleuchtung eingeschaltet lassen

Jean Luc Lambert - Schréder Urban Deco Business Segment Manager
Jean-Luc Lambert
Urban Deco Business Segment Manager

Als Reaktion auf die rasant steigenden Energiepreise infolge des Kriegs in der Ukraine wird in zahlreichen Städten Europas die öffentliche Beleuchtung an die veränderte Situation angepasst. In vielen Städten wird die Effektbeleuchtung ausgeschaltet. In einigen Städten geht man noch einen Schritt weiter und schaltet die Straßenbeleuchtung spät nachts ganz ab. 

Wir von Schréder halten das für keine gute Idee – nicht nur weil wir ein Unternehmen der Beleuchtungsbranche sind, sondern weil :

In diesem Blog befassen wir uns mit den Vorteilen, die im Hinblick auf die Gesundheit und Sicherheit entstehen, wenn man die Beleuchtung der städtischen Straßen und Wege auch im Winter eingeschaltet lässt.
 

Sicherere Straßen, nachhaltige Beleuchtung

Die Menschen gehen im Winter nachts viel eher nach draußen, wenn sie sich sicher fühlen. Sie müssen dabei Hindernisse, Stadtmobiliar und andere Fußgänger*innen gut erkennen können, insbesondere jetzt in der Zeit nach der Pandemie, in der noch immer auf sicheren Abstand zu anderen Personen geachtet wird. 

Eine gute Beleuchtung ist auch für die Sicherheit im Straßenverkehr besonders wichtig: In den Wintermonaten ereignen sich doppelt so viele tödliche Verkehrsunfälle wie in den Monaten März bis Juni. Bei Dunkelheit sind Fußgänger*innen für andere Straßenverkehrsteilnehmer*innen nur schlecht zu erkennen. Dies führt zu einer höheren Zahl schwerer Unfälle mit Fußgängerbeteiligung.

In der belgischen Region Brüssel-Hauptstadt wurde der Beschluss, die Zeiträume für die öffentliche Straßenbeleuchtung zu verkürzen, nach heftiger Kritik – auch von Elke Van den Brandt (Groen – Partei der Grünen), der Mobilitätsministerin der Region Brüssel-Hauptstadt – zurückgenommen. Die Ministerin führte aus, dass Dunkelheit in den Morgenstunden zu einem erhöhten Unfallrisiko führt. Beim Radfahrerverband zeigte man sich zufrieden, dass der Beschluss über die Abschaltung der Beleuchtung zurückgenommen wurde. Der Verband machte deutlich, dass auch Radfahrer*innen bei schlechteren Lichtverhältnissen einem erhöhten Unfallrisiko ausgesetzt sind.

Smarte LEDs und intelligente Steuerungssysteme haben die Beleuchtungstechnik in den letzten Jahren völlig verändert. In den Städten lässt sich die Beleuchtung von Fußgängerüberwegen, großen Straßenkreuzungen und Radwegen bedarfsgerecht anpassen. Die Lichtstärken, die Intensität und die Zeitpläne können ebenfalls angepasst werden, um den Energieverbrauch zu drosseln und Wartungskosten einzusparen – ohne dass die Städte nachts in völlige Dunkelheit versinken.
 

Sichere Fußgängerüberwege und attraktive urbane Räume

Durch den einfachen Umstieg auf LED-Beleuchtung können Fußgängerüberwege mit einem Bruchteil des bisherigen Stromverbrauchs auf sichere Weise beleuchtet werden. Nachdem eine Messung im Jahr 2019 in der Schweiz ergab, dass die Beleuchtung an 19 Prozent der Fußgängerüberwege an Genfer Kantonsstraßen nicht den Anforderungen entspricht, ergriff man seitens der zuständigen Genfer Behörden schnell Gegenmaßnahmen. 

Diese neuralgischen Punkte modernisierte man mit der Leuchte AMPERA, die mit einer speziellen Optik für Fußgängerüberwege sowie mit kaltweißen LEDs ausgestattet ist. Diese Komponenten sorgen dafür, dass die Fußgänger*innen besser gesehen werden. Diese hocheffizienten LED-Leuchten sehen sehr gut aus, erfüllen die in der Stadt geltenden Vorschriften und sorgen für eine Senkung der Stromkosten um 60 %

Geneva has improved safety on pedestrian crossings with LED lighting that has reduced energy costs by 60%

In der polnischen Hauptstadt Warschau führten die Behörden 2016 ein Verkehrssicherheitsaudit durch. Das Audit ergab, dass das Unfallrisiko nachts um 30 Prozent höher war, insbesondere in bebauten Gebieten mit hoher Verkehrsdichte. Dieses Ergebnis war zum Teil auf die schlechte Erkennbarkeit von Fußgänger*innen zurückzuführen. Die zuständige Behörde startete ein Programm zur Verbesserung der Beleuchtung von Fußgängerüberwegen.

Seitdem modernisieren wir zusammen mit der Behörde insgesamt 1600 Fußgängerüberwege im gesamten Stadtgebiet. Dank der neuen Beleuchtung ist die Stadt bei Nacht für die Menschen sicherer, komfortabler und besser zugänglich geworden. Auch die Zahl tödlicher Verkehrsunfälle mit Fußgängerbeteiligung ist zurückgegangen. Der Erfolg dieses Projekts ist derart groß, dass die Stadt Warschau zu den drei Finalisten für den EU-Preis für städtische Straßenverkehrssicherheit 2022 zählt. Mit diesem Preis werden herausragende Maßnahmen für die Straßenverkehrssicherheit ausgezeichnet.

Auch mit intelligenten Systemen kann man viel bewirken. Im süddeutschen Heiningen beschloss der Gemeinderat, eine Beleuchtungslösung installieren zu lassen, die der Tatsache Rechnung trägt, dass in der kleinen Gemeinde meist wenig Verkehr herrscht. Gelegentlich dient die Hauptstraße durch den Ort jedoch als Umleitungsstrecke, wenn auf der Autobahn Verkehrsprobleme auftreten, wodurch das Verkehrsaufkommen dann stark zunimmt. Wir haben entlang der Hauptstraße eine intelligente Beleuchtungslösung installiert, mit der die Beleuchtung in verkehrsarmen Zeiten heruntergeregelt werden kann, um Energie zu sparen und gleichzeitig den Bürger*innen sichere Verkehrswege bereitzustellen.
 

The town of Heiningen has reduced its energy costs by over 50% while improving safety for citizens


Mehr Sicherheit im Straßenverkehr für alle Verkehrsteilnehmer*innen

Die nächtlichen Gefahren sind nicht für alle Menschen gleich groß. Frauen, Angehörige von Minderheiten und Menschen, die nachts arbeiten müssen, berichten häufiger darüber, dass sie sich auf der Straße nicht sicher fühlen. Nur 49 Prozent der Frauen in Großbritannien gaben laut diesem aktuellen Bericht an, sich nachts zu Fuß auf den Straßen sicher zu fühlen. Bei den Männern fühlten sich im Gegensatz dazu 73 Prozent sicher. Rund 85 Prozent der Frauen und 77 Prozent der Männer vertreten die Ansicht, besser beleuchtete Straßen könnten zu mehr Sicherheit für Frauen beitragen. Zu diesem Ergebnis kam die Umfrage von yougov.

Dies ist ein globales Phänomen: Beim Student Industry Fellows Program (SIFP) der University of Georgia untersuchte man, wie man die Sicherheit auf dem Campus verbessern könnte. Dazu wurden mehr als 700 Studierende und regelmäßige Nutzer*innen des Campus befragt. Die Umfrage ergab, dass sich 38 Prozent der Frauen auf dem Campus manchmal nicht sicher fühlen, eine Zahl, die mit dem Ergebnis von Erhebungen übereinstimmt, die in verschiedenen Städten zu diesem Thema durchgeführt wurden. 
 
Es zeigte sich, dass der Beleuchtung hohe Priorität eingeräumt wird, dass die Studierenden es aber auch sehr begrüßen würden, wenn in die Sicherheitssysteme des Campus Notruftaster und Überwachungskameras integriert wären. Die Beleuchtung ist ein sehr wichtiger Faktor beim subjektiven Sicherheitsempfinden von Fußgänger*innen. In Smart Cities kann die Beleuchtungsinfrastruktur jedoch noch wesentlich mehr leisten, als nur Licht zu liefern. Sie bietet vielfältige Sicherheits- und Konnektivitätsoptionen. In Smart Cities weiß man mehr und lebt man besser. Zum Beispiel in Wien, wo Frauen grundsätzlich in Planungsentscheidungen einbezogen werden.
 

Integration von Sicherheit, mehr als nur Beleuchtung

Der Queens Square ist eine Fußgänger-/Einkaufszone im englischen Crawley, einer Vorstadt von London unweit des Flughafens Gatwick.  Über den Platz verteilt wurden zehn SHUFFLE-Lichtstelen installiert, welche die wichtigsten Highlights beleuchten und den Platz attraktiver machen. Die Stelen liefern nicht nur eine leistungsfähige, energieeffiziente LED-Beleuchtung. Sie sind zudem mit hochauflösenden Überwachungskameras, WLAN-Konnektivität und einem Windgeschwindigkeitsmesser ausgestattet. Die Vereinigung all dieser Funktionsmerkmale in einer einheitlich gestalteten Stele beweist, dass sicherere Straßen durchaus attraktiv aussehen können und gleichzeitig Energieeinsparungen ermöglichen.
 

SHUFFLE poles awere fitted with CCTV to enhance safety and well-being on Crawley Square

Weiter nördlich in England studieren an der Nottingham Trent University mehr als 40.000 Studierende an fünf Standorten. Um die Sicherheit zu steigern, werden derzeit über den Campus verteilt elf SHUFFLE-Module installiert. Jedes der Module ist mit einer Zenitel Sprechanlage für Sprach- und Bildtelefonie verbunden. Die SHUFFLE-Module wurden in die vorhandene Beleuchtungsanlage der Universität integriert. Sie werden mit dem Steuerungssystem Schréder EXEDRA gesteuert und erfüllen genau die individuellen Anforderungen der Kundschaft: Das Schréder STUDIO Team nahm Änderungen vor, um an den Modulen Erdungsbänder und Rückwände anzubringen.
 

Gesunder Körper, gesunder Geist

Der Laufsport ist in aller Welt extrem beliebt: Allein in den USA ziehen sich 60 Millionen Menschen gerne die Laufschuhe an und rennen los. Wenn man die Beleuchtung abschaltet, hält man sehr viele Menschen, insbesondere Frauen, davon ab, im Winter ihren Lieblingssport ausüben zu können. Lokale Behörden sollten sehr sorgfältig die Folgen bedenken, die eine verringerte Lichtstärke auf die Gesundheit der Menschen hat.
 
Dies gilt auch für Sportvereine. Einige stellen ihren Betrieb in diesem Winter ein oder befürchten, aufgrund der hohen Stromkosten zahlungsunfähig zu werden. Einige Fußballvereine in Großbritannien verschieben ihre Spieltermine, damit sie bei Tageslicht spielen können. Das muss nicht sein: Mit einer Modernisierung der Beleuchtungsanlage von Sportstadien und Sportanlagen lassen sich Energieeinsparungen von über 50 % erzielen.
 
Der Fußballverein A.S. Houtain-Milanello spielt im belgischen Lüttich in der Regionalliga. Der Verein mit seinen 350 Mitgliedern, Jugendmannschaften und zwei Spielfeldern ist ein Paradebeispiel für den Breitenfußball. Der Verein hatte 2015 Flutlichtstrahler installiert, deren Lebensdauer sich dem Ende näherte. 
 

AS Houtain football club can stay open all winter thanks to smart sports lighting that has reduced its electricity bill by over 50%

Man entschied sich, eine neue LED-Beleuchtung zu installieren, was den Stromverbrauch um mehr als 50 % senkte. Die Leuchten müssen nicht vorgeheizt werden. Die Steuerung erfolgt über das Steuerungssystem Schréder ITERRA: Die Spieler können mit einer Smartphone-App die Beleuchtungsstärke an die Anforderung des Trainings und der Spiele sowie des Kindertrainings anpassen, bei dem nicht immer das ganze Spielfeld beleuchtet werden muss. Das alles summiert sich, spart dem Verein bares Geld und gestattet es ihm, den Sportbetrieb auch im Winter aufrechtzuerhalten.

Die Energiekrise trifft Städte und Gemeinden hart, doch das Abschalten der Beleuchtung ist eine Kurzschlussreaktion mit möglicherweise langfristigen Folgen für die Sicherheit, für das urbane Leben und die Gesundheit der Menschen. Bevor man sich für die Dunkelheit entscheidet, kann es sinnvoll sein, in eine intelligente Beleuchtung zu investieren, damit die Menschen auch in diesem Winter ihre Gesundheit und Lebensfreude bewahren können.
 

Über den Autor
Jean-Luc Lambert ist seit 1988 als Maschinenbauingenieur für Schréder tätig und hat seitdem zahlreiche Stadtleuchten entwickelt, immer mit dem Ziel, das Design zu verbessern und für mehr Effizienz zu sorgen. Auf seinen Reisen durch die Welt hat er eine praktische Einstellung entwickelt. Sie ist die Grundlage für sein Streben nach der perfekten Lösung für Kunden in aller Herren Länder. In Sachen Beleuchtung macht ihm so schnell keiner etwas vor.

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