Mehr Licht für dunkle Radwege!

Jean Luc Lambert - Schréder Urban Deco Business Segment Manager
Jean-Luc Lambert
Urban Deco Business Segment Manager

Wir leben in einer Zeit, in der der Radverkehr eine Renaissance erlebt. Die Pandemie, Sorgen wegen des Klimawandels, steigende Kraftstoffpreise und der Wunsch nach mehr sportlicher Betätigung im Alltag sorgen dafür, dass die Menschen die Freude am Radfahren (wieder-)entdecken. Auch E-Bikes werden immer kostengünstiger. Deshalb wird sich auch dieser Trend höchstwahrscheinlich fortsetzen. Doch mit dem Fahrradkauf alleine ist es nicht getan: Sichere, attraktive Radwege und eine benutzerfreundliche Infrastruktur spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, die Menschen aus dem Auto auf das Rad zu bringen.

Politische Entscheidungsträger*innen sind informiert: Die Europäische Union meldete vor Kurzem, dass die finanzielle Förderung nachhaltiger Infrastruktur, wozu auch Investitionen in neue bzw. bessere Radwege zählen, auf 20 Mrd. EUR verdoppelt wird. Anfang 2022 wurde in Großbritannien die Straßenverkehrsordnung erneuert. Dadurch sollen die Verkehrssicherheit für Radfahrer*innen verbessert und die Richtlinien für die Radverkehrsinfrastruktur festgeschrieben werden. Diese Maßnahmen rücken das Fahrrad in den Mittelpunkt des städtischen Straßenverkehrs. (Laut der einführenden Erläuterung des Berichts machte der Radverkehr in der Innenstadt von London schon vor der Pandemie zu den Stoßzeiten rund ein Drittel des gesamten Verkehrs aus.) Europäische Radfernwege: Die Menschen entdecken den Kontinent auf neue Weise in ihrem eigenen Tempo.

Doch bei Investitionen in die Radverkehrsinfrastruktur geht es nicht nur darum, für Fahrräder Platz zu schaffen. Eine gute Beleuchtung hat großen Einfluss darauf, wer wann die Radwege nutzen wird.

Früher wurde erst im Nachhinein an die Beleuchtung gedacht, ganz nach dem Motto: «Erst bauen wir das Wegenetz, danach kümmern wir uns um die Beleuchtung». Doch wenn man beides nicht zeitgleich plant, schränkt man das Nutzungsangebot für die Menschen ein. Zudem ist die Nutzung dann stark jahreszeitabhängig.

Nick Chamberlin
Policy Manager - British Cycling

Intelligente Beleuchtung, intelligentes Radfahren

Die wichtigste Aufgabe der Radwegbeleuchtung ist es, dafür zu sorgen, dass die Radfahrer*innen gute Sicht haben und gut gesehen werden. Das erfordert in unterschiedlichen Umgebungen unterschiedliche Herangehensweisen. In der belgischen Stadt Roeselare verläuft entlang des Flüsschens Mandel ein bei den Bewohner*innen der Stadt sehr beliebter Radweg. Die örtlichen Behörden wollten die Modernisierung der Beleuchtung und die Umrüstung auf LED-Leuchten erreichen, um mehr Sicherheit zu bieten, Energie einzusparen und die Nachhaltigkeitsziele der Stadt durch die Nutzung von Sonnenenergie noch stärker voranzubringen.

Sustainable lighting solution enhances safety and protects wildlife along Mandel bike path in Roeselare

Dies war dank einer intelligenten Beleuchtungslösung mit Bewegungsmeldern möglich, die erkennen, wenn auf dem Radweg Radfahrer*innen unterwegs sind. Von Sonnenuntergang bis 23 Uhr und von 5 Uhr bis Sonnenaufgang, wenn der Radweg stärker frequentiert wird, werden die Leuchten auf 80 % gedimmt. Sobald sich Fußgänger*innen oder Radfahrer*innen nähern, schalten die Leuchten wieder auf die volle Beleuchtungsstärke um. Nach 23 Uhr wird die Beleuchtung am Anfang des Weges auf 20 % gedimmt und nur dann voll aktiviert, wenn Personenbewegungen festgestellt werden. Dieses System gewährleistet eine effektive Beleuchtung für die Nutzer*innen des Weges und schützt gleichzeitig die Flora und Fauna entlang des Flusses Mandel.

In London wiederum wurden in den vergangenen Jahren enorme Veränderungen vorgenommen, um den Radverkehr auf den Straßen zu fördern: Im Stadtteil Stratford wurde ein neues Zwei-Wege-Verkehrssystem eingeführt, um die Gegebenheiten für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen zu optimieren. Eine gleichmäßige Beleuchtung für Busse, Pkw, Fahrräder und Fußgänger*innen sorgt dafür, dass an belebten Verkehrsknotenpunkten alle Verkehrsteilnehmer*innen gut sichtbar sind. Der Bezirk verzeichnet seither einen Rückgang des Kraftfahrzeugverkehrs um 20 Prozent, da die Radfahrer*innen die neuen Wege gerne in Anspruch nehmen.

Urban lighting in Stratford London enhances safety, encouraging more people to cycle more


Ansprechende Beleuchtung für alle

Das Fahrrad ist bereits seit dem 19. Jahrhundert ein Massenverkehrsmittel. Die intelligente Beleuchtung hingegen ist relativ neu. Beides miteinander zu verbinden, erfordert Erfahrung, Planung und eine sorgfältige Umsetzung: Was für Fußgänger*innen, Autos oder Züge passt, ist nicht notwendigerweise für den Radverkehr geeignet. Die Richtlinien der britischen Regierung legen die Notwendigkeit einer guten Beleuchtung dar, gehen aber nicht auf die Details ein. Deshalb ist es sinnvoll, Expert*innen zu Rate zu ziehen. 

Beleuchtung ist nicht gleich Beleuchtung“, so Chamberlin vom britischen Radsportverband British Cycling. Er ergänzt, dass für kommunale Behörden, die ihre Radverkehrsinfrastruktur ausbauen bzw. optimieren möchten, „robustere“ Leitlinien hilfreich wären, unter anderem hinsichtlich der Stromversorgungseinheiten, der Beleuchtungsstärke, der Positionierung der Leuchten und der für Entwickler angebotenen Unterstützung. Es geht um mehr als allein um technische Details: Wenn man solche Projekte richtig angeht, wird ein positiver Kreislauf in Gang gesetzt. „Die Kombination aus einer guten Beleuchtung und einer gut genutzten, verkehrsreichen Straße ist ideal“, so Chamberlin weiter

Für viele Städte besteht die Herausforderung darin, möglichst alle Bürger*innen in all ihrer Vielfalt zu ermuntern, verstärkt auf das Fahrrad statt auf das Auto als Verkehrsmittel zu setzen und es auch für die Freizeitgestaltung und die körperliche Fitness zu nutzen. „Zu Recht soll die Beleuchtung die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer*innen verbessern, die Fuß- und Radwege nutzen, die Teil des Straßennetzes sind“, so Chamberlin. Er ergänzt jedoch, dass viele Frauen und Mädchen, Angehörige der LGBT-Community und anderer Minderheiten sich sehr unsicher fühlen, wenn sie die Fuß- oder Radwege in der Stadt nutzen.

Die Beleuchtung trägt entscheidend dazu bei, dass sich die Menschen sicherer fühlen.

Nick Chamberlin
Policy Manager - British Cycling

Löwen lebenswerter machen

Sicherheit schließt jedoch auch die Luftqualität ein. In der charmanten belgischen Universitätsstadt Löwen wollte man die Art und Weise verändern, wie sich die Menschen im historischen Stadtzentrum fortbewegen. Die umfassende Neugestaltung des städtischen Straßennetzes verhindert, dass man im Stadtzentrum mit dem Auto fahren kann (von der Ringstraße aus kann man jedoch noch in die Stadt einfahren). Fahrräder, Busse und Fußgänger*innen genießen hingegen völlige Bewegungsfreiheit. 

Drei Jahre nach der Umgestaltung nahm der Radverkehr in der Innenstadt an einem durchschnittlichen Werktag um 44 Prozent und die Nutzung von Bussen um 18 Prozent zu. Der Autoverkehr hingegen nahm um 19 Prozent ab. Der wichtigste Vorteil: Die Luftqualität ist jetzt erheblich besser. Im ersten Jahr nach der Umgestaltung ging die Rußpartikelkonzentration um das Zweieinhalbfache zurück. Weitere Informationen hierzu finden Sie in dem Bericht, der im Integrated Cycling Planning Guide von EU CYCLE enthalten ist. Er enthält Leitlinien zur Erschließung von Investitionen für den Radverkehr in der Europäischen Union.
 

Eine kluge Investition, das ganze Jahr über

Ambitionierte Projekte wie die Umgestaltung in Löwen, Roeselare oder Utrecht (wo sich die größte Fahrradtiefgarage der Welt befindet) zeigen, dass die Menschen tatsächlich vom Auto auf andere Verkehrsmittel umsteigen, wenn die richtigen Anreize angeboten werden. Viele von uns haben in jüngster Zeit die Freude am Radfahren neu entdeckt - jetzt ist der ideale Zeitpunkt, in die Infrastruktur zu investieren. Man darf dabei jedoch die Radfahrer*innen nicht im Dunkeln lassen. Um mehr Informationen darüber zu erhalten, wie Schréder Sie bei Ihren Projekten dabei unterstützen kann, eine optimale Beleuchtung für den Radverkehr zu schaffen, nehmen Sie bitte Kontakt zu uns auf.
 

Über den Autor
Jean-Luc Lambert ist seit 1988 als Maschinenbauingenieur für Schréder tätig und hat seitdem zahlreiche Stadtleuchten entwickelt, immer mit dem Ziel, das Design zu verbessern und für mehr Effizienz zu sorgen. Auf seinen Reisen durch die Welt hat er eine praktische Einstellung entwickelt. Sie ist die Grundlage für sein Streben nach der perfekten Lösung für Kunden in aller Herren Länder. In Sachen Beleuchtung macht ihm so schnell keiner etwas vor.

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