Menschen und Beleuchtung: Kerry Simpson

Kerry Simpson - Senior Application Engineer/Trainer - Sylvania Schréder
Kerry Simpson
Senior Lighting Engineer - Sylvania Schréder

Unternehmen werden durch die Menschen definiert, die für sie arbeiten: Seit über einem Jahrhundert steht Schréder dank seiner Mitarbeiter im Bereich Beleuchtungstechnik weltweit an der Spitze. Im Laufe des Jahres 2021 werden wir uns mit den Menschen beschäftigen, die Schréder zu dem machen, was es ist, und ihre Laufbahn, wichtige Projekte und ihre Gedanken zur Entwicklung der Beleuchtungstechnik unter die Lupe nehmen.

Kerry Simpson ist Senior Application Engineer und Trainer bei Sylvania-Schréder im australischen Brisbane. Er blickt auf mehr als 47 Jahre Erfahrung in der Beleuchtungsbranche zurück, darunter 12 Jahre im öffentlichen Sektor bei der ACT Electricity Authority und eine Tätigkeit bei Philips Lighting, bevor er zu Sylvania kam, dass 2020 von Schréder übernommen wurde. Seine Leidenschaft für großartige Beleuchtung ist ansteckend und er arbeitete an Tausenden von Projekten in ganz Australien, von der Beleuchtung des Fußballfeldes in Tumbalong (340 Einwohner) bis hin zum legendären Cricket-Stadion The Gabba.

 

In der High School erkannte ich zum ersten Mal, was Beleuchtung vermag …

Dort gab es ein Projekt für modernen Tanz, bei dem ich gern mitmachen wollte. Ich bin im Herzen ein Theatermensch. Ich ging mit zu den Proben, sprach mit dem Beleuchter und wurde angesteckt! Wenn man sich mit Theaterbeleuchtung beschäftigt, lernt man unheimlich viel. Man muss Zweidimensionales in Dreidimensionales verwandeln. Man muss Atmosphäre schaffen, Wärme, Wut, Leidenschaft, Romantik. Man muss die Aufmerksamkeit des Publikums auf einen Bereich lenken, während die Bühnencrew in einem anderen Bereich arbeitet. Das war eine großartige Schule, da man sofort Feedback bekommt, korrigieren kann und seine Fähigkeiten verfeinert, was einen auf die kommerzielle Arbeit und Sportbeleuchtung vorbereitet.
 

Ich wurde Elektriker, um etwas über Theaterbeleuchtung zu lernen …

Aber letzten Endes beschäftigte ich mich mit Straßenbeleuchtung. Ich kaufte Straßenbeleuchtung ein und hatte mit dem Australian Standards Committee (dem australischen Normenausschuss) zu tun, lernte also die Benutzerseite kennen. 1982 trat ich der Illuminating Engineering Society of Australia and New Zealand (IES) bei, dem Berufsverband für die Kunst und Wissenschaft der Beleuchtung. Abends machte ich aber nach wie vor Theaterbeleuchtung.
 

Ich gründete meine eigene Firma ... 

Wir fertigten Leuchten aus Farbdosen und beleuchteten Auftritte von Bands, Discos, Partys. Heute führen wir hauptsächlich Beleuchtungsaudits für Sportplätze durch. Ich stellte aber auch spektakuläre Weihnachtsbeleuchtungen zusammen. Dann ging ich zu Philips Lighting. Ich bekam ein Auto, ein Mobiltelefon - na ja, es war im Auto festgeschraubt - und bereiste die gesamte südliche Hälfte von New South Wales. Danach fing ich bei Sylvania Lighting an, wo ich mehr als 16 Jahre blieb, und bin seit 2020 bei Schreder. Mein Arbeitsgebiet ist Queensland, und das ist riesig - wenn ich ins Auto steige und 20 Stunden fahre, habe ich den Bundesstaat erst zur Hälfte durchquert. 
 

Ich verkaufe keine Leuchten, ich verkaufe Lösungen …

Klar, das ist eine Binsenweisheit, aber es geht vor allem darum, gemeinsam mit dem Kunden herauszufinden, was er erreichen möchte, und die am besten geeignete Beleuchtungslösung zu finden. Mein größtes Projekt war die Inbetriebnahme der Beleuchtung im The Gabba, Queenslands Heimstadion für Cricket auf internationalem Niveau, mit einer Kapazität von 42.000 Sitzplätzen. Dabei mussten 614 Scheinwerfer ausgerichtet werden, verteilt auf vier über 75 m hohe Türme und einen überdachten Laufsteg, außerdem wurden umfassende TV-Audits durchgeführt. Die Luftaufnahme stammt von meiner Drohne, die ich bei solchen Projekten immer mitnehme.

Kerry Simpson takes great pleasure in installing sports lighting solutions

Meistens geht es aber um Sportbeleuchtung auf Basisniveau 

Diese spektakulären Jobs, die man im Fernsehen sieht, haben natürlich ihren Reiz, eigentlich habe ich aber mehr Spaß an kleinen Städtchen auf dem Lande, wo man das Fußballfeld beleuchten will. Ich fahre mit meinem kleinen Messrad dorthin, mache den Entwurf, erstelle das Angebot, sie veranstalten ihre Grillfeste und Tombolas, bekommen Zuschüsse, und dann installiere ich das Ganze zusammen mit dem Elektroinstallateur. Manchmal erscheint beim ersten Einschalten die gesamte Bevölkerung. So etwas bedeutet eine wirkliche Veränderung. Für sie bedeutet es eine Verlängerung des Tages, die Kinder sind nicht so viel in der Sonne - ich werde ziemlich emotional! 

Heute tippen einige Leute Zahlen in einen Computer und glauben, dass es funktionieren wird, es funktioniert aber nur mit dem nötigen Hintergrundwissen. Ich habe einige schockierende Installationen gesehen, bei denen im Grunde genommen Industriebeleuchtung verwendet wurde - es bricht einem das Herz. Beim Aufmaß lasse ich mich von jemandem aus dem Club begleiten, damit ich verstehe, was gebraucht wird ... am Ende kann ich einen Entwurf erstellen und dem Kunden die Grundlagen der Beleuchtung vermitteln.
 

Sportbeleuchtung ist eine Kunst, keine Wissenschaft.

Man spielt nicht mit dem Platz, sondern mit dem Ball. Spieler und Gegner befinden sich im dreidimensionalen Raum und müssen gesehen werden. Die ganze Philosophie der Sportbeleuchtungsplanung besteht darin, dass es sehr schwer ist, alle vertikalen Punkte zu messen und zu berechnen, aber man kann am Boden Berechnungen durchführen. Wenn man also die Masten gleichmäßig verteilt und die Leuchten hoch genug anbringt, sodass sie nicht blenden und ablenken, hat man in der Horizontalen die richtige Beleuchtung, und die Vertikale funktioniert. 
 

Mein Lieblingsprojekt ... der Illumicube

Den habe ich 1988 konzipiert und entworfen, und er wurde zu einem Wahrzeichen in Canberra. Es handelt sich um einen sprachgesteuerten, beleuchteten, 3 m hohen, auf einer Ecke stehenden Würfel, der vage vom ACTEA-Logo inspiriert wurde. Er wurde ein Hit bei Kindern und Familien. Straßenmusiker können sich dorthin setzen und haben ihre eigene Light-Show. Er wurde auch schon von nächtlichen Zechern angesungen. Er basiert auf einem Elektronik-Bausatz, den ich als Kind hatte, die Technologie ist also alt, funktioniert aber immer noch, wenn auch das Ganze heute durch Bewegung aktiviert wird. Ich bin sehr stolz auf mein Kunstwerk in Australiens Hauptstadt! 

Kerry Simpson designed and developed the original Illumicube for the city of Canberra

Es ist großartig, zu Schréder zu gehören, weil …

Nach mehreren Managementwechseln war die Übernahme durch Schréder sehr erhellend. Nun ist es wieder ein Beleuchtungsunternehmen in Familienhand, man spricht die Sprache, die ich verstehe. Wir haben an ECOBLAST, einem modularen Sportbeleuchtungssystem, gearbeitet und es ist wunderbar, Teil der Produktentstehung zu sein. Es ist großartig, gebeten zu werden, ein multidisziplinäres internationales Team an meiner Erfahrung teilhaben zu lassen.
 

Ich lerne nie aus …

Ich gebe die IES-Kurse schon seit Jahrzehnten und wurde 2009 Fellow. Ein wesentlicher Aspekt ist jedoch, mit dem Wandel Schritt zu halten: die Art und Weise, wie wir mit Kunden interagieren, die Umstellung auf LED, die Branche entwickelt sich ständig weiter. Ich habe keine Angst, Fehler zu machen! Man lernt daraus und macht es beim nächsten Mal etwas anders.

Derzeit schule ich die nächste Verkäufergeneration und hoffe, etwas von meinem Enthusiasmus weitergeben zu können. Ich gehe abends mit ihnen los und zeige ihnen die Beleuchtung. Beleuchtungsdesign ist nicht einfach ein Blatt Papier mit Zahlen. Ich zeige gerne Google-Earth-Bilder, um eine Beleuchtungslösung verständlich zu machen, ich versuche, sie für Leute, die unsere Sprache nicht sprechen, zu visualisieren.
 

Aber jetzt ist es Zeit für neue Abenteuer ...

Im Oktober dieses Jahres gehe ich in den Ruhestand. Es war eine schwierige Entscheidung, weil ich meine Arbeit liebe, besonders angesichts der neuen Produkte, die lokal und international auf den Markt kommen! Aber ich habe jede Menge zu tun: Reisen (meine Frau ist seit ein paar Jahren im Ruhestand), Gitarre lernen, ich habe neun Enkelkinder, die ich mit Zaubertricks unterhalten muss, ... Es wird bestimmt nicht langweilig!

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