Form, Inhalt, Beleuchtung: Die Sichtweise des Architekten

Jean Luc Lambert - Schréder Urban Deco Business Segment Manager
Jean-Luc Lambert
Business Segment Manager - Urban Deco

Bei einem nächtlichen Gang über einen malerischen Dorfplatz, in einer belebten Innenstadt oder entlang der Strandpromenade gibt es tausend Dinge zu sehen. Lächelnde Gesichter, volle Restaurants, das lustige Plätschern eines Brunnens. Die An- und Augenblicke, die das Leben in der Stadt ausmachen, gehören zu den Freuden, die das Ausgehen bei Nacht mit sich bringt. Diese Momente können wir aber nur dank der städtischen Beleuchtung schätzen - die wir meist als selbstverständlich erachten. Straßenleuchten stehen selten im Rampenlicht. Doch es bedarf viel Arbeit, sie zu einem integralen Bestandteil des Stadtbilds zu machen.
 
Im Lauf der Jahrzehnte hat die Produktpalette von Schréder für die städtische Beleuchtung dazu beigetragen, viele Städte nach Einbruch der Dunkelheit zu neuem Leben zu erwecken. Auf allen Kontinenten beleuchten wir Städte, in denen die Menschen gerne leben. Von Porto Maravilha im brasilianischen Rio de Janeiro bis hin zum historischen Mons in Belgien - die Leuchte YOA fügt sich nahtlos in das Stadtbild ein. Die viel gepriesene Leuchte NEOS war ein enormer Erfolg. Sie beleuchtet ganz unterschiedliche Bereiche, angefangen von Parks bis hin zu Boule-Spielfeldern, und sorgt für mehr Sicherheit auf Straßen, Bahnsteigen und Fußgängerüberwegen. Die Leuchte PERLA schafft in portugiesischen Parks nach Einbruch der Dunkelheit eine gemütliche Atmosphäre. Vom Modell TECEO wurden weltweit mehr als 1,5 Millionen Stück verkauft. 

All diese Klassiker wurden vom selben Mann gestaltet, vom französischen Architekten Michel Tortel. Tortel hat in den vergangenen Jahrzehnten bei einer Reihe von Projekten mit Schréder zusammengearbeitet. Anlässlich der Markteinführung unseres jüngsten gemeinsamen Projekts, des Hybridprodukts VALINTA, das gleichzeitig Fluter und Leuchte ist, sprach ich mit ihm über das Leuchtendesign, über die Gestaltung qualitativ hochwertiger Produkte und über die Möglichkeiten, unterschiedliche Stadtbilder durch Lichtdesign miteinander zu verbinden.
 

Michel, ihre Designs tragen dazu bei, dass Schréder für Dörfer, Städte und Kommunen Beleuchtungslösungen schaffen kann, die genau deren Vorstellungen entsprechen. Welche Rolle spielt dabei ihre Ausbildung als Architekt?  

Als Architekt*innen sind wir immer auf der Suche nach Produkten, die die Architektur ergänzen, ohne sie zu überfrachten oder mit ihr zu kollidieren. Bei Leuchten ist dies noch interessanter, da es sich um Objekte handelt, die schon immer eine dekorative Funktion hatten. Dekoration und Architektur sind zwei Dinge, die zusammengehören und gleichzeitig im Widerspruch zueinander stehen.

Produkte, die ich vor 30 Jahren entworfen habe, sind immer noch erfolgreich, weil sie eben relativ neutral sind. Sie sind Teil einer grundlegenden Formensprache.

Michel Tortel - Architect & Designer
Michel Tortel
Designer & Architect

Die Beleuchtung erzeugt eine dekorative Erwartung. Im städtischen Raum müssen wir jedoch eine gewisse Neutralität wahren und langfristig denken. Wir möchten Produkte anbieten, die bei Tag und Nacht besonders ansprechend aussehen. Beispielsweise sind bei der VALINTA die LEDs so angeordnet, dass sie auch in ausgeschaltetem Zustand attraktiv wirken. Ich achte darauf, bei meinen Designarbeiten eine diskrete, elegante Linie zu finden, die sich harmonisch in das Stadtbild einfügt. Produkte, die ich vor 30 Jahren entworfen habe, sind immer noch erfolgreich, weil sie eben relativ neutral sind. Sie sind Teil einer grundlegenden Formensprache.
 

Eines der charakteristischen Merkmale in der Produktpalette von Schréder für städtische Beleuchtung ist ihre Vielseitigkeit. Es gibt Leuchten, die ins Auge stechen, und Lösungen, die sich in ein Ensemble einfügen. Worin besteht ihre Gemeinsamkeit? 

Von Anfang an wollten wir eine einheitliche Marken-DNA schaffen, mit der wir überall dieselbe Sprache sprechen. Um die Flexibilität, die man üblicherweise auf der Südhalbkugel der Erde findet, mit der Strenge zu vereinen, die eher mit dem Norden verbunden wird. Immer wenn ich eine Leuchte designe, gestalte ich auch einen passenden Mast dazu. Sie gehören zusammen: NEOS + TEKTON, TECEO + ELAYA, YOA + LYRE: Das gesamte Ensemble soll eine präzise Botschaft vermitteln, ohne jedoch zu übertreiben …

Ich persönlich schätze Schlichtheit und Effizienz. Ich navigiere in diesem Paradoxon, das daraus besteht, ein dekoratives Objekt zu schaffen und mich dabei ständig zu fragen, worauf man verzichten kann, damit nur das Wesentliche bleibt. Das Leitmotiv meiner Arbeit ist die Suche nach dem einfachsten, dem effizientesten Design - ohne dass dadurch etwas Karges, Trauriges entsteht.

The contemporary design of the YOA enhances landscapes

Unsere Designs zeigen Wirkung: Das war auch bei der Leuchte YOA der Fall, die im Londoner Stadtbezirk Newham bei der Sanierung des lebhaften Stadtteils Stratford im Osten von London eingesetzt wurde. In dem Stadtteil wurde ein Rückgang des motorisierten Verkehrs erzielt, während Innovationen wie gut beleuchtete Radwege und ein verbesserter Verkehrsfluss für Radfahrer*innen mehr Sicherheit bieten. YOA ergänzt auf perfekte Weise den neuen Look des Stadtzentrums von Stratford und bietet der Bezirksverwaltung ein leistungsstarkes Beleuchtungsnetz, das die Investitionen wert war.
 

Bei der VALINTA handelt es sich um eine ganz neue Plattform für die städtische Beleuchtung - sie bietet als Leuchte und Fluter unendliche Einsatzmöglichkeiten. Erzählen sie uns bitte mehr darüber … 

Besondere Freude an dieser Arbeit macht die intellektuelle Herausforderung . Eine Leuchte zeichnet sich dadurch aus, dass sie mehrere Identitäten hat: eine Identität im ausgeschalteten Zustand und eine andere bei Nacht, wenn sie leuchtet. Darüber hinaus gestaltet sie durch das Licht ihre Umgebung. Bei VALINTA handelt es sich um eine Produktlinie mit wahrhaft großer Identität. Mit den unterschiedlichen Ausführungen wollten wir Architekt*innen, Lichtdesigner*innen und Stadtplaner*innen vielfältige Möglichkeiten anbieten. 
 
Das Produkt vereint in sich dekorative, technische und neutrale Codes. Auch die technisch und wirtschaftlich notwendigen Elemente wurden integriert, zum Beispiel die Halterung, die für alle Modelle identisch ist. Die VALINTA ist ein Produkt formaler Geometrie, das Ergebnis eines sehr konstruktiven, anregenden Dialogs mit dem Entwicklungsteam von Schréder.

Die Aufgabe des Designers ist es nicht nur, eine Form zu schaffen, sondern global zu denken - über die Ästhetik, die Technik, die Wirtschaftlichkeit und die letztendliche Benutzererfahrung.

Michel Tortel - Architect & Designer
Michel Tortel
Designer & Architect

Mir hat es schon immer gefallen, wie wir danach streben, technologische Innovationen und ästhetische Attraktivität miteinander zu vereinen. Ich erinnere mich da an unsere gemeinsame Entwicklung der Leuchte PERLA. Damals wollten wir ein Produkt schaffen, das wie ein Juwel in der Nacht glänzt. Wir gestalteten die Leuchte so, dass sie maximalen Luxus ausstrahlt.

Wir haben oft an Produkten gearbeitet, die neue Technologien einführen, wie die PERLA. Ich sehe Technologie nicht als Zwang, sondern als Gegenstand des Staunens, der Erleuchtung und der Freude. Ich mag komplexe Projekte, und die PERLA sollte ein Wegbereiter sein, ein legendäres Produkt. Ein Manifest. Wenn man sich für die PERLA entscheidet, erweitert man das historische Erbe um ein Mode-Statement.

PIANO luminaires add a certain panache to the outdoor landscape of the modern AZ Zeno hospital

Unsere Designs zeigen Wirkung: Die PIANO, ein weiteres Design von Tortel, ist dafür ein hervorragendes Beispiel. Sie wird für die Beleuchtung der Parkplätze und Zufahrtsstraßen des Krankenhauses AZ Zeno an der belgischen Küste eingesetzt. Dort kam es aus architektonischer Sicht darauf an, dass sich die Beleuchtung in die Küstenlandschaft einfügt und auch mit der Vegetation harmoniert. Im portugiesischen Lissabon trug die Leuchte zur Umgestaltung eines ganzen Stadtviertels bei: Aus einem Parkplatz wurde eine große Fußgängerzone, in der die Bewohner*innen auch nach Einbruch der Dunkelheit entspannen und einkaufen und die Kinder spielen können.
 

Kommen wir zurück zum Dialog zwischen Ingenieur und Designer. Welche Gemeinsamkeiten gibt es, und welche natürlichen Differenzen ergeben sich?

Das ist ein kontinuierlicher Dialog. Als Architekt achte ich sehr genau auf die Details. Deshalb bin ich oft sehr fordernd gegenüber den Leuten von der Technik. Es gibt nichts Schöneres, als mit einem Technikteam zusammenzuarbeiten, dessen Mitglieder zuhören und entsprechend reagieren. Wir arbeiten schneller, und die Ergebnisse sind besser. Natürlich ist auch die Wirtschaftlichkeit immer ein Faktor der Gleichung. Doch mit einem klaren Konzept ist es immer möglich, Ästhetik und technische Konstruktion zu vereinen. Wir wissen, wie man mit industriellen Zwängen umgeht. Design ist vor allem eine Denk- und Herangehensweise, mit der man ein Projekt fördert. Die Aufgabe des Designers ist es nicht nur, eine Form zu schaffen, sondern global zu denken - über die Ästhetik, die Technik, die Wirtschaftlichkeit und die letztendliche Benutzererfahrung.
 

Vielen Dank, Michel, dass Sie sich die Zeit für dieses Gespräch genommen haben. Die letztendliche Benutzererfahrung macht für die Kunden von Schréder schon jahrzehntelang den wahren Unterschied. Wir sind davon überzeugt, dass die VALINTA noch viele Jahre lang Plätze, Parks und Denkmäler beleuchten wird. Auch die Zusammenarbeit mit Experten wie Michel Tortel macht meine Arbeit als Ingenieur so interessant - wir freuen uns auf viele weitere gemeinsame erfolgreiche Projekte in der Zukunft!
 

Über den Autor
Jean-Luc Lambert ist seit 1988 als Maschinenbauingenieur für Schréder tätig und hat seitdem zahlreiche Stadtleuchten entwickelt, immer mit dem Ziel, das Design zu verbessern und für mehr Effizienz zu sorgen. Auf seinen Reisen durch die Welt hat er eine praktische Einstellung entwickelt. Sie ist die Grundlage für sein Streben nach der perfekten Lösung für Kunden in aller Herren Länder. In Sachen Beleuchtung macht ihm so schnell keiner etwas vor.

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